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Ein Herzenswunsch im Schnee - Finnisch Lappland

  • 10. März
  • 17 Min. Lesezeit

Eine liebe Kundin hat ihre Reise festgehalten und möchte diese Erfahrungen heute mit euch teilen.


Reisen war für mich nie nur Urlaub. Reisen bedeutet Freiheit. Weite. Atmen können.

Ich reise viel und ich reise leidenschaftlich gern. Doch meine To-do-Liste ist keine gewöhnliche Bucket List. Auf ihr standen bis vor Kurzem noch drei Orte, die ich – chronisch krank – unbedingt sehen wollte, bevor mein Körper vielleicht nicht mehr die Kraft dazu hat.


Nicht irgendwann.

Nicht „wenn es passt“.

Sondern jetzt.


Und so habe ich mir in diesem Jahr einen absoluten Herzenswunsch erfüllt:

Finnisch Lappland.


Der hohe Norden. Schnee, der jedes Geräusch verschluckt. Nächte, in denen der Himmel grün leuchtet. Eine Landschaft, die größer ist als jede Sorge und stiller als jeder Zweifel.


Als ich aus dem Flugzeug stieg und die eisige Luft einatmete, wusste ich: Dieser Ort ist mehr als nur ein Reiseziel. Er ist ein Versprechen an mich selbst.


Dass ich lebe.

Dass ich träume.

Dass ich gehe – solange ich kann.

✈️ Vorbereitung – Vom Zögern zum Buchen

Diese Reise wollte ich schon lange machen. Sehr lange.

Das Geld hatte ich irgendwann zusammen. Und trotzdem habe ich es vor mir hergeschoben.

Warum? Ich weiß es bis heute nicht genau.


Vielleicht war es Respekt vor der Kälte.

Vielleicht die leise Frage im Hinterkopf, ob mein Körper mitmacht.

Vielleicht einfach dieser trügerische Gedanke: Es hat ja noch Zeit.


Bis es plötzlich schnell ging.

Nina von Fridolins Reisen hat mich nicht lange überlegen lassen.

„Sag mir, was du möchtest – ich mache dir eine runde Sache daraus.“ Gesagt. Getan.


Kurze Zeit später hielt ich ihn in den Händen: meinen Reiseablauf.

Schwarz auf weiß. Flüge, Unterkünfte, Aktivitäten. Kein loses „Irgendwann“ mehr – sondern ein konkretes Datum.

Und da stand ich nun. Jetzt, Kirsten, gibt’s kein Zurück mehr.

Ohne endlos zu grübeln ließ ich mir das Angebot durchrechnen.

Und als auch finanziell alles stimmte, schrieb ich nur ein einziges Wort: BUCHEN.

Manchmal braucht es keinen perfekten Moment. Nur eine Entscheidung.


Ab diesem Augenblick war es keine Idee mehr. Es war meine Reise. Mein Winter. Mein Lappland. Ich hatte genug Zeit, mich vorzubereiten – organisatorisch, mental und vor allem kleidungstechnisch. Denn wer schon einmal -26 Grad erlebt hat, weiß: Romantik hin oder her, ohne die richtige Ausrüstung wird es schnell ungemütlich. Dazu teile ich später gerne noch meine ganz praktischen Tipps. Aber in diesem Moment, als die Buchungsbestätigung kam, fühlte sich alles anders an:


Eine Idee hatte plötzlich Flügel bekommen....


🧳 Packliste für den Winter in Lappland – Was wirklich zählt


Lappland im Winter ist kein Ort für „Wird schon gehen“.

Hier entscheidet deine Kleidung darüber, ob du staunst – oder frierst.


Ich habe viel recherchiert, ausprobiert und gelernt. Hier kommt das, was sich wirklich bewährt hat:


1. Das A und O: Das richtige Zwiebelsystem


Unterschicht (direkt auf der Haut):


  • Lange Unterwäsche aus Merinowolle

  • Merino-Kniestrümpfe

Auf keinen Fall Baumwolle!


Wenn du schwitzt, speichert Baumwolle die Feuchtigkeit. Und Feuchtigkeit bedeutet bei Minusgraden: frieren. Merino hingegen wärmt selbst, wenn es leicht feucht wird.


Zweite Schicht:


  • Dicke Wollsocken über den Merino-Kniestrümpfen

  • Fleece oder Wollpullover

  • Fleecejacke


Außenschicht:


  • Wind- und wasserdichte Jacke

  • Skihose oder gefütterte, wasserdichte Hose

  • Warmer Wintermantel oder Winterjacke


Ich habe meine Skihose kombiniert mit einem Wintermantel und mehreren Schichten darunter. Das hat perfekt funktioniert.


2. Warme, wasserfeste Winterschuhe


Ich habe mir im Schlussverkauf zwei Paar von Sorel gekauft – eine der besten Entscheidungen überhaupt.


Zusätzlich:


Wärmepads als ganze oder halbe Sohle

Gerade bei längeren Touren sind warme Füße Gold wert.


3. Spikes – unterschätzt und absolut sinnvoll


In Lappland wird nicht gestreut.

Und selbst festgetretener Schnee kann spiegelglatt sein.


Spikes für die Schuhe geben dir Sicherheit – beim Laufen im Ort genauso wie bei Ausflügen in die Natur. Ich würde nicht ohne fahren.


4. Kopf, Gesicht & Atmung – lebenswichtig bei extremer Kälte


  • Sturmhaube (unerlässlich!)

  • Darüber eine gefütterte Wollmütze

  • Schal oder Mundschutz


Ab einer gewissen Minus-Gradzahl musst du durch die Nase atmen.

Ohne Schutz vor dem Mund wird die eiskalte Luft beim Einatmen unangenehm – teilweise sogar schmerzhaft und ist absolut ungesund bis gefährlich. Mit einem Schutz kannst du entspannter atmen. Das ist keine Kleinigkeit, sondern wirklich wichtig.


5. Hautschutz – bitte keine normale Creme


Normale Hautcreme enthält zu viel Wasser.

Und Wasser gefriert.

Ich habe eine Cold Cream von Weleda in der Apotheke gekauft – speziell fürs Gesicht. Die schützt, ohne zu „vereisen“.


6. Ein gut gemeinter Tipp


Und jetzt denkst du vielleicht: „So, jetzt bin ich warm eingepackt.“ Denkste.

Für jede Tour habe ich mir vor Ort einen warmen Overall für etwa 10 Euro dazugebucht.

Winddicht. Leicht gefüttert. Er wird einfach über deine Kleidung gezogen und schützt bei Aktivitäten wie Schneemobil- oder Huskytouren vor der beißenden Kälte.

Diese Overalls sind keine Spielerei – sie machen den Unterschied zwischen „nett“ und „wow, ich genieße das hier wirklich“. So, jetzt bist du warm eingemuckelt.


Und wenn dein Körper nicht mehr gegen die Kälte ankämpfen muss, bleibt genug Energie für das Wesentliche: Staunen. Weite. Abenteuer.


Und genau da beginnt Lappland erst richtig. 🌡️❄️


✈️ Anreise & mein erster Tag in Rovaniemi


Um 6:55 Uhr ging mein Flug ab Düsseldorf.


Mein einziger Gedanke am Morgen?

Was zum Teufel ziehe ich an?


Ich reiste mit einem Trekkingrucksack – einen Koffer durch Schnee zu ziehen, erschien mir völlig absurd. Also entschied ich mich für volle Wintermontur:

Skihose, lange Unterhose, Merinopullover, Fleecejacke und Wintermantel.


Fehler.


Bis ich vom Parkplatz mit dem Transfer am Flughafen war, lief ich bei 3 Grad Außentemperatur schon auf Betriebstemperatur. Und dann diese endlosen Wege am Flughafen – mit einem Rucksack auf dem Rücken (der übrigens in Deutschland als Sondergepäck angemeldet werden muss) und einem kleinen Rucksack vor der Brust.


Irgendwann saß ich endlich im Flieger.

Und sehnte mich ernsthaft nach -20 Grad.


Blick aus dem Flugzeug
Blick aus dem Flugzeug

Der Moment über den Wolken....

Nach etwa zwei Stunden veränderte sich die Landschaft unter mir.


Erst nur vereinzelte weiße Flächen.

Dann verschwanden Häuser unter Schnee.

Weiße Tannen tauchten auf.

Die Welt wurde still – selbst aus der Luft.


Schneelandschaft aus dem Flugzeug
Schneelandschaft aus dem Flugzeug

Und plötzlich liefen mir Tränen über die Wangen. Mein erstes echtes Glücksgefühl.

Nicht laut. Nicht dramatisch. Einfach nur: Ich bin wirklich auf dem Weg nach Lappland.



Ankunft in der Weihnachtsstadt


Nach 2 Stunden 50 Minuten landete ich in Rovaniemi – der offiziellen Heimat des Weihnachtsmanns. Rucksack geschnappt, vor das Terminal getreten – und da stand er schon: der Santa Express. 8 Euro bis in Richtung Stadtzentrum.

„Gott, wie unkompliziert“, dachte ich. Nach etwa 35–40 Minuten stieg ich aus.

Die letzten 600 Meter bis zu meinem Hotel wollte ich eigentlich laufen.


Wollte....


Doch hier merkte ich zum ersten Mal: Meine Energie ließ nach. Also Taxi. 10 Euro. Und eine kluge Entscheidung. In meiner Unterkunft wartete mein Schlüssel im Briefkasten.

Schlichtes Zimmer. Perfekt für eine Nacht. Mehr brauchte ich nicht.


Der erste Spaziergang bei -18 Grad


Nachdem ich mein Gepäck abgestellt hatte, machte ich mich zu Fuß zurück Richtung Busbahnhof. Und da war sie endlich. Diese Kälte. Diese klare, trockene, beißende Luft.

Und diese unfassbare Schönheit einer Welt unter einer dicken Schneedecke.

Ich musste schon wieder weinen. Dankbar. Fast demütig.


Kleiner Tipp am Rande: Weine nicht bei -18 Grad.



Santa Claus Village – zwischen Kitsch und Kindheit


Für 4 Euro ging es mit dem Santa Claus Express zum Santa Claus Village.

Dort begann mein erstes Abenteuer.




Natürlich musste ich Santa besuchen.

Man steht eine Weile an – was dem Ganzen ein wenig den Zauber nimmt. Aber wir haben kurz geplaudert (er sprach sogar etwas Deutsch), ein Foto gemacht – Handyverbot übrigens – und im Shop durfte ich es dann für schlappe 45 Euro kaufen. (In Rovaniemi City Center steht übrigens mitten in der Stadt eine kleine Holzhütte mit einem weiteren Santa, ich könnte mir vorstellen, dass dort ein Foto vielleicht günstiger sein könnte).

Total bekloppt. Völlig überteuert. Und ja, ich habe es gekauft. Frag mich nicht warum 🫣


Es war tatsächlich meine sinnloseste – und gleichzeitig irgendwie liebste – Ausgabe des

gesamten Urlaubs.


Mein erstes echtes Wow: Schneemobil im Elfen-Overall


Und dann ging es endlich los. Ich hatte eine Schneemobil-Tour gebucht. Im Elfen-Overall.

Ja, wirklich. Und das Beste? Ich war an diesem Abend allein mit meiner Guide – Ember.

16 Uhr starteten wir. Durch den Wald. Die Luft klar. Der Himmel begann sich langsam rot zu färben.

Ich saß im Elfen-Overall auf einem Schneemobil und fuhr durch die pure Natur Lapplands.

Ich habe so oft laut „Whoooowwwhoooo!“ geschrien, wie ich nur konnte.

Das war kein Instagram-Moment. Das war real.



Irgendwann hielten wir an. Ember zauberte eine Thermoskanne mit heißem Fruchtsaft und Keksen hervor. Wir standen da, tranken, unterhielten uns, während die Sonne hinter dem Horizont verschwand und die Welt langsam dunkel wurde. Im Scheinwerferlicht fuhren wir zurück. Bei der Verabschiedung habe ich Ember fest gedrückt und mich gefühlt hundertmal bedankt. Um 17:45 Uhr nahm ich den letzten Bus zurück zum Hotel.

Dort angekommen war ich piepenfertig. Aber überglücklich.

Was für ein erster Tag in Lappland.



Tag 2 – Von Rovaniemi nach Pyhä: Mehr Weite, mehr Winter

Nach meiner ersten Nacht in Rovaniemi ging es weiter Richtung Natur.


Die Unterkunft in Rovaniemi ist schlicht und funktional – kein Designhotel, sondern eher eine praktische Unterkunft für alle, die es unkompliziert mögen. Es gibt eine kleine Gästeküche, in der man sich abends selbst etwas zubereiten oder einfach einen Tee kochen kann. Gerade auf Reisen mag ich diese Freiheit sehr, habe mir jedoch einen Snack in Rovaniemi City Center gegönnt. Das ist ca. 10 Minuten Fußmarsch vom Hotel entfernt.


Auch das Frühstück war einfach gehalten, aber es hat an nichts gefehlt: Brot, Aufschnitt, Müsli, Kaffee – alles da. Der Frühstücksraum wirkte eher wie ein normaler Wohnraum als wie ein klassisches Hotelrestaurant. Unaufgeregt, aber völlig ausreichend für einen guten Start in den Tag.


Heute teile ich übrigens Fotos von beiden Unterkünften – der Kontrast könnte größer kaum sein.



Nach dem Frühstück bin ich zum Bahnhof gelaufen, der ca. 400 m entfernt liegt, und habe die Linie 200 genommen. Für 35 Euro ging es knapp drei Stunden nach Pyhä.


Mit jedem Kilometer wurde die Landschaft weiter. Die Stadt verschwand, stattdessen dominierten verschneite Wälder, zugefrorene Flächen und diese typische lappländische Ruhe. Allein die Busfahrt war schon Teil des Erlebnisses – ein langsames Eintauchen in noch mehr Natur.



Ankunft im Hotel in Pyhä


Der Bus hielt direkt am Hotel in Pyhätunturi – bequemer kann man kaum ankommen.

Das Hotel ist auf mehrere Gebäude verteilt. In meinem Haus befand sich das Restaurant „Popolo“, in dem man sehr gut essen kann. In den anderen Gebäuden gibt es unter anderem einen Klamottenladen, einen gut sortierten Kiosk sowie einen Spa-Bereich mit Sauna und Gym, der kostenlos genutzt werden kann. Außerdem ein großes Frühstücksrestaurant mit einem beeindruckend reichhaltigen Buffet.



Hier durfte ich die nächsten drei Nächte verbringen und allein die Lage ist ein kleines Highlight.


Mein Zimmer war großzügig geschnitten und perfekt zum Ankommen. Ausgestattet mit Kühlschrank, Wasserkocher, etwas Geschirr sowie kostenlosem Tee und Kaffee. Besonders praktisch: ein Trockenschrank für Skischuhe und Winterkleidung – ein echtes Plus bei Schnee und Minusgraden.





Das Hotel liegt unmittelbar an der Loipe. Sessellift und Tellerlift sind nur wenige Schritte entfernt, ebenso die Skihütte. Man kann tatsächlich von der Piste bis vor die Hoteltür fahren.

Den Skipass kann man ganz unkompliziert entweder im Hotel selbst oder draußen am Automaten kaufen – schnell und ohne großen Aufwand.

Die Loipe direkt am Hotel ist allerdings nichts für absolute Anfänger. Aber Pyhä bietet genug Möglichkeiten, und manchmal ist es ohnehin schön, erst einmal anzukommen und die Umgebung auf sich wirken zu lassen.





Am Abend habe ich mich im Kiosk noch mit ein paar Kleinigkeiten eingedeckt und mich dann auf mein Zimmer zurückgezogen. Auf meinem Balkon stand ein kleiner Schneemann auf dem Geländer – sauber geformt im feinen Pulverschnee. So eine winzige Geste und

doch irgendwie besonders. Danke an dieser Stelle an meinen Vormieter 💖



Den Rest des Abends habe ich bewusst ruhig verbracht. Wärme, Tee, ein bisschen aus dem Fenster schauen. Meinem Körper die Pause gönnen, die er braucht, und Kraft für den nächsten Tag sammeln. Und während draußen alles in Weiß lag, wurde mir langsam klar:

Ich bin wirklich in Lappland. Wahnsinn

Tag 3 – Chillmodus, Eislaufen ohne Schlittschuhe & ein kleines Wunder in Pyhä


Heute wurde es entspannt.

Nach dem bereits hochgelobten Frühstück habe ich mich gaaanz in Ruhe startklar gemacht. Ich hatte den Tag frei und wollte einfach mal gemütlich die Gegend erkunden.


Im Hotel hatte man mir empfohlen, die Hauptstraße runter zur Tourist Information Naava zu gehen, um mich dort nach ein paar Wanderwegen zu erkundigen. Gesagt, getan.

Schon beim Bergabgehen wurde ich von einem Mann auf einem Schlitten überholt (gefühlt das zweitwichtigste Fortbewegungsmittel in Finnland 😂). Irgendwie herrlich.

Auf halber Strecke lag ein scheinbar sehr gemütliches Restaurant, direkt neben einer Piste, auf der ein Skilehrer gerade zwei Kindern das Skifahren beibrachte. Sehr niedlich, die kleinen Zwerge da herumwuseln zu sehen.


Unten im „Zentrum“ angekommen – nach dem stetig wiederkehrenden Gedanken, dass ich da ja später auch wieder hochlaufen muss – zeigte sich: überschaubar.

Ein paar Geschäfte, eine super süße Café-Bäckerei, ein Büro von einem Veranstalter, ein Supermarkt, hier und da noch ein Lädchen und das war’s eigentlich schon.

Die Tourist Information war wirklich hilfreich, ich bekam eine Karte, Infos zum Pyhä-Luosto-Nationalpark und jede Menge Wandertipps.


Wirklich toll. Wären da nicht die komplett vereisten Wegweiser gewesen. 🤣


Was soll ich sagen?

Nachdem ich gefühlt neunmal im Kreis gelaufen bin, habe ich kapituliert (ein Wunder das ich noch nie irgendwo auf meinen Reisen verschollen bin, denn ich habe eine Orientierung wie ein Semmelknödel) und mich in die super süße Bäckerei gesetzt. Ein Stück ausgezeichnete Quiche und ein Latte Macchiato später war die Welt wieder in Ordnung.


Danach habe ich mir noch angeschaut, wo ich meine letzte Nacht in Pyhä verbringen werde (dazu später mehr), und habe mich dann – heldenhaft – wieder den Berg hinaufgekämpft. Mit dem guten Vorsatz, ab sofort an meiner Kondition zu arbeiten. Wir wissen ja alle, wie solche Vorsätze enden. Ein bisschen Regeneration im Zimmer, bevor ich um 18:45 Uhr am Hotel abgeholt wurde.

Denn: Mein eigentliches Hauptziel dieser Reise waren die Nordlichter.


Die Chancen standen an dem Abend nicht besonders gut.

Ich habe ungefähr 1000 Stoßgebete und mindestens eine offizielle Bestellung ans Universum geschickt: Bitte, bitte Polarlichter.


Overall über die Klamotten gezogen und gegen 19:30 Uhr ging’s los. Etwa 20 Minuten Fahrt. Eine Familie aus den Niederlanden und ich. Mitten ins Nichts. Und da standen wir nun.

Also… die Mutter der Familie lag halb im Schnee und hatte ihr Handy perfekt positioniert.


Zappenduster. NICHTS.


Die Enttäuschung schlich sich langsam an.

Meine Aurora-App zeigte immerhin 12 % an – was wohl gar nicht so schlecht ist. Frau Antje aus Holland konnte über ihr Handy tatsächlich schon leichte Polarlichter einfangen. Mit bloßem Auge? Nichts. Mit meinem Handy? Auch nichts. Ein bisschen neidisch war ich schon auf sie.

Ich hätte mich vorher definitiv intensiver mit meiner Kamera beschäftigen sollen. Ich hätte schreien können.


Unser Guide – ein junger Mann – gab wirklich alles. Blöd nur, dass er kein Deutsch lesen konnte, als ich ihm meine Kamera am Handy zeigte.


Frustriert stapfte ich ein paar Schritte weg von den anderen. Und habe noch einmal – wirklich noch einmal – darum gebeten, mir Polarlichter zu schicken.


Und plötzlich:

Da waren sie.


Ganz leicht mit bloßem Auge. Etwas stärker über das Handy.

Bei -26 Grad liefen mir die Tränen übers Gesicht (dabei hatte ich schon einmal erwähnt, dass es keine gute Idee ist bei den Temperaturen zu heulen, denn die Tränen sind an der Wange gefroren), als die Lichter kräftiger wurden. Ich habe so laut geschrien, dass die anderen vermutlich dachten, ich wäre ins Eis eingebrochen.


Da waren sie. Die Nordlichter. Mein Gott. Was für ein Glückskind ich doch bin.



Nach etwa einer Stunde fuhren wir weiter zu einem anderen See. Dort stand eine kleine Holzhütte, in der wir Würstchen und Marshmallows über dem Feuer grillten und wieder diesen unfassbar leckeren heißen Fruchtsaft bekamen.



Unser Guide erzählte uns die Legende der Polarlichter – eine traurige Liebesgeschichte. Ich liebe es, wenn jemand seinen Job mit so viel Leidenschaft macht. Ein toller Typ.

Ich bin immer wieder hinaus auf den See, um mir dieses Spektakel anzusehen. Die Lichter waren erstaunlich lange sichtbar.


Hatte ich schon erwähnt, was für ein Glückskind ich bin? 😁


Total durchgefroren kamen wir gegen 23:30 Uhr zurück ins Hotel. Was für ein Erlebnis.

Eine sternenklare Nacht. Man konnte den Nordstern sehen, den Saturn, unzählige Sternbilder und die Milchstraße, unter der wir standen. Ich glaube ja fast, man hat uns extra warten lassen, damit wir genau DAS erleben dürfen.


Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viele Sterne gesehen habe. Dankbar habe ich mich in mein Bett gekuschelt. Und mich ganz brav bedankt. Unbeschreiblich.

Tag 4 in Pyhä – Spikes, Safari & sanfte Schnauzen


Heute wird wieder ein Häkchen auf meiner To-do-Liste gesetzt. Aber wie das so ist: Erstmal noch ein bisschen treiben lassen. Rund ums Hotel in Pyhä gibt’s nämlich noch einiges zu entdecken – zum Beispiel einen kleinen Adventurepark quasi direkt vor der Tür.


Das Einzige, was zwischen mir und dem Abenteuer stand? Eine Loipe. Und ein paar ziemlich ambitionierte Skifahrer plus Snowboarder, die definitiv Vorfahrt hatten. Mein Ziel: unfallfrei auf die andere Seite kommen. Ich sag’s euch – meine Spikes waren heute Gold wert! Die Loipe war schon ziemlich glatt, und man möchte wirklich keinen unfreiwilligen Spagat hinlegen wenn man weiß, dass gleich einer den Berg runter gebrettert kommt.


Drüben angekommen: Winterwonderland pur. Nicht weit von der Loipe entfernt stehen zwei urige Holzhütten, wo man sich fürs Eisklettern anmelden kann. Neben der Eiswand brannte ein kleines Feuer. Mitten im Nirgendwo. Einfach so. Diese Stimmung – eisige Luft, knisterndes Feuer, absolute Ruhe – unbezahlbar.



Wer’s weniger waghalsig mag, spaziert einfach weiter und genießt die Aussicht. Und ja, hier steht auch eine kleine Holzhütte mit der Aufschrift „WC“. Ich sag mal so: Bei -18 Grad pinkeln zu gehen ist definitiv auch eine Art von Abenteuer 🥶


Ein richtig schöner Vormittag!

Aber lange konnte ich nicht trödeln – um 13:10 Uhr wurde ich am Hotel abgeholt. Heute stand nämlich eine Rentiersafari inklusive Farmbesuch an.


Auf der Farm angekommen durften wir zuerst einen Blick ins Gehege werfen und die Rentiere füttern – wenn sie denn Lust hatten. Ich hatte Glück: Ein weißes Rentier kam direkt zu mir und fraß ganz genüsslich aus meiner Hand. Leute… dieses Maul! So unfassbar weich. Aber mehr Nähe wird auch nicht zugelassen – und das ist völlig okay so.


Fun Fact am Rande: In Finnland leben tatsächlich mehr Rentiere als Menschen. Verrückt, oder?


Bevor es losging, kehrten wir noch in eine Holzhütte ein, um uns aufzuwärmen. Ein Mitarbeiter der Farm setzte sich zu uns und erzählte mit spürbarer Leidenschaft viele spannende Dinge über die Tiere. Ich liebe es einfach, wenn Menschen für das brennen, was sie tun.



Dann war es soweit: Jeweils zwei Personen passen in einen traditionellen Holzschlitten. Ich hatte das Glück, alleine fahren zu dürfen – inklusive doppelter Decke.

Luxusversion sozusagen.



Was ich besonders schön fand: Die Rentiere laufen leicht versetzt. Sie starren also nicht stumpf auf den Vordermann, sondern schauen frei in die Landschaft. Das Rentier vom hinteren Schlitten lief direkt neben meinem Kopf. Auge in Auge. So nah. So wunderschön.


Gemütlich glitten wir durch die atemberaubende Landschaft. Mein Schlitten knarrte leise während der Fahrt – dieses Geräusch hat das Erlebnis irgendwie noch authentischer gemacht. Man konnte einfach nur sitzen, schauen, genießen. Richtig schön.


Nach der Tour ging es zurück ins Hotel. Den Abend habe ich im Restaurant des Hotel Pyhätunturi mit Blick auf die Skihütte an der Loipe ausklingen lassen.



Gut gespeist, etwas durchgefroren- aber glücklich und voller Eindrücke ging’s zurück aufs Zimmer.

Dankbar für einen weiteren Tag in finnisch Lappland.

Tag 5 in Pyhä – Ich - Auf einem Huskyschlitten

Meine letzte Nacht in Pyhä.

Und Nina hat mir da mal eben noch einen Bonus in die Reiseplanung geschmuggelt: eine Übernachtung in einem Appartement im Iglu-Stil. Nicht weit vom Ski Inn entfernt und nur 300 Meter zur Bushaltestelle für meine Rückfahrt nach Rovaniemi am nächsten Tag. Perfekt durchgeplant – wie immer.


Der Morgen startete mit Frühstück im Ski Inn.



Frühstück in Lappland
Frühstück in Lappland

Es war an diesem Tag extrem kalt, deshalb wurde meine gebuchte Huskytour spontan um zwei Stunden nach hinten verlegt. Abholung also erst um 11 Uhr. Kam mir ehrlich gesagt ganz gelegen – so konnte ich länger im Hotel bleiben. Check-out ist erst um 12 Uhr, aber der Rucksack musste unten stehen bleiben. Für jeden zugänglich.

Und wisst ihr was? Ich hatte zu keiner Sekunde Sorge, dass er weg sein könnte. Willkommen in Finnland. Aber ich schweife ab. Pünktlich um 11 Uhr wurde ich abgeholt. Das Procedere kennt man ja inzwischen: runter ins „Zentrum“, Overall anziehen, rein in den Wagen und ab zur Huskyfarm.


Noch bevor ich ausstieg, hörte ich sie. Dieses Bellen. Heulen. Kreischen. Ein unfassbares Getöse – und wir standen noch ein ganzes Stück von den Hunden entfernt. Die waren sowas von bereit. Während wir noch auf ein paar Nachzügler warteten, erzählte der Guide schon auf dem Hinweg mit leuchtenden Augen von den Tieren.


Hier und da wurden wir von jungen Huskys begrüßt. Sie standen in hölzernen Gehegen und waren komplett aus dem Häuschen vor Freude, als wir sie streichelten.


Fun Fact:Huskys werden von klein auf an Menschen gewöhnt – reine Sozialisierung. Die Nähe gehört dazu.


Nach einem kurzen Fußmarsch blieben wir an einem Schlitten ohne Hunde stehen. Der Guide erklärte uns ganz in Ruhe, wie man auf dem Schlitten steht. Wie man bremst. Wie man in Kurven mitarbeitet. Sich nach links und rechts lehnt. Aktiv lenkt. Ähm. Moooooment.


In meiner Welt sitze ich gemütlich im Schlitten und ein Profi steht hinten drauf. Tja. In Schnee gefurzt. Ehe ich mich versah, stand ich hinten auf den Kufen. Sehr schmale Kufen übrigens. Da ich alleine fuhr, bekam ich vorne einen Dummy als Gewicht rein.


Die Hunde schrien vor Energie. Ich hörte nur noch ein „Ready?“

Ich: „Nooooo—“ Leine los. Und die Huskys sind explodiert.

ALTER FINNE.




Ich wich Ästen aus, ging in die Knie, klammerte mich fest. Nach zwei Kurven kam die Erkenntnis: Bleib ruhig auf den Kufen, geh mit in die Kurve – den Rest regeln die Hunde. Und plötzlich… lief es wie geschnitten Brot. Das war SO GEIL. Hammer.

Ein Erlebnis, das ich definitiv wiederholen muss. Aber dann nicht in einer Gruppe.


Durch die brutale Kälte – minus 30 Grad, mit Fahrtwind eher minus 35 – wurde die Tour von 10 auf 5 Kilometer gekürzt. Die Guides hatten Sorge um die Gäste, vor allem wegen Gesicht und unzureichender Kleidung. Verständlich. Trotzdem schade.


Noch frustrierender: Wir mussten ständig anhalten, weil ein Schlitten vor mir Probleme hatte. Teilweise standen wir echt lange rum. Und als es endlich wieder weiterging, waren wir gefühlt schon wieder am Ziel. Ich schwöre, ich bin effektiv vier Minuten gefahren. Immerhin habe ich 40 Euro erstattet bekommen. Ohne viel tara.


Ja okay, meine Wimpern waren gefroren. Alles war gefroren, Mütze, Sturmhaube. Aber ich war top gekleidet – ich hätte die restlichen fünf Kilometer locker geschafft. Andere vermutlich nicht. Also: akzeptieren und dankbar sein.


Zurück auf der Farm habe ich mich erstmal bei „meinen“ Hunden bedankt – mit Streicheleinheiten, während andere Selfies machten. Ein älterer Herr kam zu mir und erzählte mir noch ein bisschen was über mein Gespann. Fand ich richtig schön.


Danach durften wir ins Gehege mit den Teenager-Huskys. Fehler.


Die haben in Nullkommanichts meine Schuhe bearbeitet und meine Hosenbeine angeknabbert. Ich habe mit Mühe und Not das Gehege wieder verlassen 🤣


Und dann… das Highlight:

Ich durfte einen zwei Wochen alten Husky-Welpen halten. Ich sag euch. Zuckersüß.




Noch ein Fun Fact: Huskys machen ihr Geschäft während sie laufen. Auch gern mal in flüssiger Form. Wenn du Pech hast, kriegst du was ab. Und glaub mir – das stinkt unendlich übel. Ich liebe diese Tiere. Sie riechen zwar schlimmer als Hyänen – aber das ignoriert man einfach.


Zum Schluss noch was für die Klugscheißer-Fraktion 😉 nicht böse gemeint 💙

Ihr denkt vielleicht: „Das sind doch gar keine typischen Huskys auf den Bildern!“

Doch. Es sind sogenannte Alaskan Husky – keine klassische Rasse, sondern speziell gezüchtete Schlittenhunde für Rennen. Man erkennt tatsächlich den Einfluss von Windhunden. Geschwindigkeit ist hier alles. Und ich? Ich stand drauf. Auf den Kufen.

Und würde es sofort wieder tun.


Zurück im Ski Inn hatte ich noch etwas Zeit, bis ich um 16 Uhr ins Iglu konnte. Also noch schnell im Restaurant Popolo was essen und dann habe ich mir für den Kilometer zum Iglu ein Taxi gegönnt. 17 Euro. Aber hey – besser teuer gefahren als schlecht geschleppt.

Das Iglu-Erlebnis bekommt seinen eigenen Auftritt. Die Huskys verdienen heute die Hauptrolle.

Mein letzter Tag in Pyhä – Abschied von Finnisch-Lappland


Mein letzter Abend in Pyhä war etwas ganz Besonderes. Ich habe ihn in einem igluähnlichen Apartment mit eigenem Badezimmer verbracht, in dem das Bett direkt unter einer großen Glaskuppel steht. Von dort aus kann man eigentlich wunderbar den Himmel beobachten – perfekt, um Polarlichter zu sehen. Leider hatte ich dieses Mal kein Glück, denn die Wolkendecke war einfach zu dicht. Trotzdem war es ein ganz besonderer Abend.


Das Apartment selbst war wunderschön und unglaublich gemütlich eingerichtet. Es hat wirklich an nichts gefehlt. Genau der richtige Ort, um noch einmal zur Ruhe zu kommen und diesen wundervollen Urlaub Revue passieren zu lassen. Ich habe meinen letzten Abend dort sehr genossen, alles noch einmal bewusst wahrgenommen und einfach dankbar zurückgeschaut auf diese besondere Zeit in Finnisch-Lappland.



Am nächsten Morgen bin ich dann etwa 300 Meter zur Bushaltestelle im kleinen Zentrum gelaufen und mit dem Bus zurück nach Rovaniemi gefahren – in das Hotel, in dem ich schon meine erste Nacht verbracht hatte. Dort habe ich mir noch einen letzten schönen Tag gemacht. Dieses Mal bin ich nicht noch einmal ins Weihnachtsmanndorf gefahren, sondern habe einfach ein bisschen durch die Innenstadt gebummelt, die Atmosphäre genossen und mir noch etwas Leckeres zu essen gegönnt.


Am Abend bin ich dann rechtzeitig zurück ins Hotel gegangen und habe mich noch darum gekümmert, für den nächsten Morgen ein Taxi zum Flughafen zu bestellen. Für knapp 35 € ging es dann ganz entspannt zum Flughafen. Klar, es gibt auch einen Bus für etwa 8 €, den man etwa 400 Meter entfernt erreicht hätte – aber in diesem Moment war mir die bequemere und kräfteschonendere Variante einfach lieber. Das darf am Ende jeder für sich entscheiden.


Mein Fazit


Wenn du manchmal denkst: „Ich würde so gerne, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das gesundheitlich schaffe.“ – dann kann ich dir nur sagen: Hab Mut und erlebe dein Abenteuer.

Du bestimmst dein Tempo. Du allein teilst dir deine Kräfte ein. Wenn du Ruhe brauchst, dann plane sie ein. Wenn du Pausen brauchst, dann nimm sie dir.

Und wenn ich ehrlich bin: Hätte ich mir vor all meinen Reisen vorher zu viele Gedanken gemacht, wäre ich wahrscheinlich noch nicht einmal bis Dortmund gekommen. Denn so mutig, wie die meisten vielleicht denken, bin ich eigentlich gar nicht. 😉


Ich hoffe, ihr hattet etwas Freude an meinem ersten Reiseblog und ich konnte euch ein kleines Stück mitnehmen auf mein Abenteuer: Finnisch-Lappland 🌐🌡️🌬️❄️⛄

Hat dich diese Reise inspiriert?

Wenn du diese Reise genauso oder in ähnlicher Form erleben möchtest, kannst du dich jederzeit gerne bei mir melden.

Ich plane jede Reise individuell und beantworte dir natürlich auch alle Fragen zu Route, Unterkünften und Aktivitäten.



 
 
 

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